Insektenfutter – «Green Food» und wertvolle Fleischalternative?

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Ist Insektenfutter eine gute und ökologische Alternative zu Fleisch für deinen Hund oder deine Katze? Unter dem Label «Green Food» bringen immer mehr Hersteller Feucht- und auch Trockennahrung mit Insektenproteinen auf den Markt. ANiFiT beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren mit diesen neuen Proteinquellen. Sie sind interessant und werden von vielen Hunden und Katzen gut vertragen. Doch wie nachhaltig ist Insektenfutter wirklich? Die Zusammenhänge zwischen der Insektenzucht, Larvenfütterung, Proteinherstellung und Produktion des fertigen Futters sind komplex. In diesem Blogartikel beleuchten wir die Hintergründe der Futtermittelproduktion mit Insektenproteinen.

Die Details und Zusammenhänge der Insektenproduktion, der Herstellung des Proteins und des Futters sind komplex – es reicht nicht aus, nur die ökologischen Aspekte der Nachhaltigkeit zu betrachten. In diesem Artikel beleuchten wir die Hintergründe der Futterproduktion aus Insektenproteinen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist Insektenfutter?
  2. Die fünf Dimensionen der Nachhaltigkeit
  3. Energieverbrauch der Insektenzucht
  4. Futterqualität der Insekten
  5. Klimagase von Insekten?
  6. Wie wird das Protein von den Insekten gewonnen?
  7. Welchen Einfluss können die Larven auf die Umwelt haben?
  8. Fazit

Was ist Insektenfutter?

Das Fachwort für Insektennahrung ist «Entomophagie». Es bezeichnet das Essen von Insekten durch Menschen. Gut geeignet zum Verzehr sind beispielsweise Mehlwürmer, Grillen und Heuschrecken. Während der Verzehr von Insekten in Asien, Afrika und Lateinamerika eine lange Tradition hat, schwappt die Erkenntnis, dass Insekten wegen ihres hohen Proteingehalts als guter Fleischersatz dienen können, langsam auch nach Europa. Zudem benötigt die Insektenproduktion viel weniger Wasser und Fläche als die herkömmliche Fleischproduktion. Diese Aspekte sind natürlich auch für die Tierfuttermittelindustrie interessant.

Warum nimmt ANiFiT Insektenfutter also nicht gleich ins Sortiment auf?

Die fünf Dimensionen der Nachhaltigkeit

Die Begriffe «Nachhaltigkeit» oder «nachhaltige Entwicklung» werden aktuell in den verschiedensten Bereichen ganz selbstverständlich verwendet. Dabei geht es vorwiegend um die Schonung und Erhaltung natürlicher Ressourcen.

Es reicht jedoch nicht aus, nur die ökologischen Aspekte der Nachhaltigkeit zu betrachten. Wir gehen von insgesamt fünf Dimensionen aus, die zur Nachhaltigkeit gehören:

  • Gesellschaft
  • Wirtschaft
  • Umwelt
  • Individuum / Gesundheit
  • Kultur

Jede einzelne Dimension beschreibt einen Aspekt der Nachhaltigkeit. Da diese sich gegenseitig beeinflussen, können sie nicht isoliert betrachtet werden (siehe Abbildung 1).

Um Insektenfutter nachhaltig zu produzieren, muss es verträglich für Umwelt, Gesundheit, Wirtschaft und Gesellschaft sein und in unsere Kultur passen. Wie du siehst, wird die Frage der Nachhaltigkeit von Insektenfutter dadurch wesentlich komplexer.

Energieverbrauch der Insektenzucht

Insgesamt sind rund 1’900 essbare Insektenarten bekannt. Die meisten davon werden in der Natur gesammelt. Nur wenige Arten werden kommerziell genutzt. Wissenschaftler haben bereits herausgefunden, welche Insekten den ähnlichsten Proteingehalt wie Rinder haben und somit für die Tierfuttermittelindustrie am besten verwertbar sind. Um Insekten zu züchten, braucht es nicht sehr viel. Grundlage ist eine Lagerhalle, in der sich Temperatur und Luftfeuchtigkeit kontrolliert steuern lassen. Da die Insekten Kaltblüter sind, benötigen sie eine artenspezifische, konstante Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit. Nur so können sie sich fortpflanzen und ihre Larven können wachsen.

Eine Studie* der ETH Zürich zeigte, dass der Energieverbrauch für die Produktion von 1 kg frischen Insekten in etwa gleich hoch ist, wie für die Produktion von 1 kg Pouletfleisch. Das Gewinnen der Proteine aus den Insekten ist jedoch energieaufwändig. So verschlingt die Produktion eines Hundefutters mit Insekten schliesslich 5-mal mehr Energie als die Produktion eines Hundefutters mit Pouletfleisch.

* Meat alternatives: life cycle assessment of most known meat substitutes / Smetana, Sergiy et al. Int J Life Cycle Assess (2015) 20:1254–1267

Futterqualität der Insekten

Je besser die Insekten gefüttert werden, desto höher ist auch die Qualität des Proteins. Hier kommen wir zu einem grossen Spannungsfeld. In Südostasien werden die Insekten oft nur mit billigem Hühnerfutter grossgezogen. Den Insekten wird also Futter gegeben, das in direkter Konkurrenz zur menschlichen Ernährung steht. Es ist daher sinnvoller, die Nebenprodukte aus der Fleischindustrie als Hunde- und Katzenfutter zu verwenden. Zudem liefern die Insekten oft kein Taurin, das für Katzen essenziell ist.

Für ihr Wachstum benötigen die Insekten organische Substanzen. Je nach Futterqualität, entwickeln sie sich besser oder eben weniger gut. Woher kommt also das hochwertige Futter für die Insekten? Befindet sich die Aufzuchthalle nicht in der Nähe eines Ortes, an dem «Bioabfall» in grossen Mengen anfällt, muss dieser von weit her angeliefert werden. Das ist zum einen nicht ökologisch und treibt zum anderen den Preis der Insekten in die Höhe, sodass sie zu teuer werden, um daraus Tiernahrung herzustellen.

Um Schwankungen im Proteingehalt der Insekten zu vermeiden, muss die Futterqualität konstant gehalten werden. Ist dies nicht möglich, weil die benötigten Nebenprodukte aus der Lebensmittelindustrie nicht verfügbar sind, schwankt der Proteingehalt pro Produktionscharge massiv. In diesem Fall kann der Proteinwert nicht garantiert werden. Zudem sind die Insektenproteine hitzeempfindlich und denaturieren leicht bei der Weiterverarbeitung zu Tierfutter.

Unter solchen Umständen ist es schwierig, mit diesem Protein ein Tierfutter herzustellen, das als Alleinfuttermittel immer ausgewogen sein sollte.

Klimagase von Insekten?

Die Larven scheiden sehr viel Ammoniak aus. Dieses klimarelevante Gas ist in solchen Mengen nicht zu unterschätzen. In der Atmosphäre wandelt sich Ammoniak zu Feinstaub um und trägt somit erheblich zur Luftverschmutzung bei. Beim Ausstoss von Treibhausgasen, umgerechnet in CO2-Äquivalente, liegen frische Insekten gemäss älteren Untersuchungen im Bereich der Hühnerfleischproduktion. Der Ausstoss ist dabei deutlich geringer als bei der Milchproduktion (Smetana et al, 2015*).

Neuere Studien zeichnen allerdings ein differenzierteres Bild, insbesondere bei der industriellen Produktion von Insektenprotein für Tierfutter. So kommt eine im Auftrag des britischen Umweltministeriums DEFRA durchgeführte Lebenszyklusanalyse von Ricardo (Ricardo LCA Report von DEFRA Science Search 2026) zu dem Ergebnis, dass Insektenmehl, abhängig vom Futtersubstrat der Larven eine deutlich höhere Klimawirkung pro Kilogramm haben kann als herkömmliche Proteinquellen. In den untersuchten Szenarien ist Insektenprotein bis zu 13,5-mal schädlicher für das Klima als Sojamehl und bis zu 4,2-mal schädlicher als Fischmehl. Entscheidend sind dabei insbesondere der Energiebedarf der Zucht und Verarbeitung sowie die Frage, womit die Larven gefüttert werden.

 In Südostasien gibt es schätzungsweise 20'000 Insektenfarmen. Ihre Jahresernte wird auf ca. 7'500 Tonnen (Stand 2011) geschätzt. Diese Insekten werden nur für den menschlichen Verzehr gezüchtet. Dazu kommen noch Farmen in Holland und anderen Teilen Europas sowie in den USA, die nur Larven für Tiernahrung züchten.

Wie wird das Protein von den Insekten gewonnen?

Insektenlarven enthalten nicht nur Proteine, sondern auch Fette und je nach Entwicklungsstadium auch Chitin (Exoskelett). Wenn wir für unser Insektenfutter nur das Protein nutzen wollen, muss die Larve entsprechend aufgearbeitet werden. Für diesen Prozess wird 3- bis 4—mal so viel Energie benötigt wie für die Produktion von Milch oder Pouletfleisch (Smetana et al, 2015*).

Welchen Einfluss können die Larven auf die Umwelt haben?

Neben den Emissionen (Ammoniak) gibt es noch einen anderen Aspekt, der zu beachten ist: Studien zufolge wäre eine bestimmte Heuschreckenart das perfekte Protein für Tiernahrung. Stelle dir aber vor, was passiert, wenn eine Zuchthalle dieser Heuschrecken aus irgendwelchen Gründen (Sturmschäden, Erdbeben, Wasserschäden etc.) zerstört wird und die Tiere entkommen. Heuschrecken vermehren sich so schnell, dass Getreidefelder gefährdet wären und eine Hungersnot drohen würde.

Wir kennen heute bereits verschiedene Tierarten, die sich stark vermehren und unsere heimischen Arten verdrängen, vertreiben oder fressen, wie beispielsweise Asiatische Marienkäfer. Deshalb kann bei der Auswahl der Insekten für unsere Tiernahrung nicht nur der Proteingehalt ausschlaggebend sein. Der gesamte Produktionsprozess muss hohe Sicherheitsstandards aufweisen, damit keine Insekten in die freie Wildbahn gelangen.

Fazit

Insektenfutter ist nicht automatisch «Öko» oder «Green». Die ökologische Bilanz hängt stark davon ab, wie die Insekten gehalten werden, womit die Larven gefüttert werden und welche Energie für Zucht, Verarbeitung und Herstellung des Futters eingesetzt wird. Auch der Import aus Asien ist aufgrund der zusätzlichen Transportwege und der dortigen Produktionsbedingungen nicht automatisch die nachhaltigere Lösung. Und In Europa befindet sich die kommerzielle Insektenproduktion noch im Aufbau.

ANiFiT verzichtet deshalb aktuell noch auf Hunde- und Katzennahrung mit Insektenproteinen. Wir sind aber mit Spezialisten in Kontakt und verfolgen die Entwicklungen genau. So können wir auch in Zukunft neue Proteinquellen prüfen und dir Produkte anbieten, hinter denen wir zu 100 % stehen.

Unsere Einschätzungen zum Thema veganes Tierfutter findest du im Blogartikel Hunde und Katzen vegan ernähren.


Gesundes und natürliches Katzen- und Hundefutter findest du in unserem Shop.

Hast du Fragen? Dann kontaktiere gerne deine persönliche ANiFiT-Beraterin, deinen persönlichen ANiFiT-Berater oder unseren Kundenservice.

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